Es ist der 1. Februar und die lieben Kinderlein genießen ihre Ferien bei den Großeltern. Da mussten wir die Gelegenheit nutzen, um dem Harz mal wieder einen Besuch abzustatten und ein paar neue Stempelstellen der Harzer Wandernadel zu finden! Da wir bisher erst sechs Stellen gefunden hatten, war die Auswahl der Möglichkeiten groß. Nördlich von Alexisbad fand ich eine kleine Kette von vier Stationen, die man gut an einem Tag schaffen kann. Dazu noch zwei mögliche weitere Stempel in der Nähe des Ortes und schon stand der Plan. Einzige Sorge war das Wetter. Bis drei Tage vor unserer Wanderung hatte es geschneit und wir waren gespannt, wie sich die Wege gestalten würden.
Da wir keinen großen Urlaub nehmen wollten, musste ein verlängertes Wochenende reichen. Unser Plan war, in einer Runde von maximal 20 Kilometern alle 5 Stationen zu schaffen. Bonus war ein Sonderstempel kurz vor dem Ziel, der allerdings einen knapp 3 km langen Umweg bedeutet hätte.
Als Basis fand ich das Hotel Morada in Alexisbad, welches quasi direkt am Startpunkt der Runde liegt. Die Aussicht auf eine ordentliche Grundversorgung und eine bequeme Nacht war verlockend, im besten Fall sogar noch mit etwas Wellness zur Erholung gepaart! Die Anfahrt gestaltete sich „interessant“: die Landstraßen im Börde- und Landkreis Harz waren mit vielen starken Schneewehen kaum befahrbar. Uns schwante Böses für die Tour am Sonntag.
Etappe 1 zum Bergrat-Müller-Teich
Nach einer leider nicht sehr erholsamen Nacht (die Matratzen waren einfach viel zu weich) und einem ausgiebigen Frühstück ging es am späten Sonntagmorgen um kurz nach 11 Uhr los. Wir hatten mit einer Gesamtzeit von 5 Stunden geplant, so dass wir locker zum Kaffee wieder zurück sein wollten … so der Plan!




Die ersten 600 Meter verliefen problemlos parallel zur Hauptstraße auf dem halbwegs geräumten Fußweg. Wir überquerten zum ersten Mal die Selke, die uns den gesamten Tag begleiten sollte, und liefen schließlich gerade aus in den Anstieg zu unserem ersten Tagesziel.
Ab hier folgten wir dem Friedenstal, das sich gemächlich steigend durch die Landschaft schlängelt und auch im Winter viele schöne Blicke auf die Natur bereithält. Allerdings begann hier auch der Untergrund seine winterlichen Herausforderungen zu zeigen. Anfänglich konnten wir noch die ausgefahrene Spur vereinzelter Autos nutzen. Von diesen Spuren blieb aber recht schnell nichts mehr übrig und nur noch wenige Fußabdrücke anderer Wanderer zeigten uns den Weg. Und so ging es langsam, aber sicher für 6,5 Kilometer über 200 Höhenmeter hinauf zum Bergrat-Müller-Teich.
Die dortige Stempelstelle kann man mit guten Augen – und besonders gut im Schnee – bereits von Weitem sehen. Nach etwas mehr als 2 Stunden erreichten wir, immer noch hoch motiviert, das erste Tagesziel!






Etappe 2 zur Großen Teufelsmühle
Die Aussicht über den Teich ist zu anderen Jahreszeiten sicher ein schöner. Wir sahen leider nur eine weiße, zugefrorene und mit Schnee überdeckte Fläche. Gepaart mit den Minustemperaturen des Tages lud es nicht zum Verweilen ein. Und so ging es direkt weiter, aber nur für 500 Meter, bis die Köte am Bergrat-Müller-Teich zu einer Rast animierte. Hier war es zwar gefühlt noch kälter, aber wenigstens konnten wir kurz trocken sitzen und einen Schluck heißen Tee genießen.


Nach der Pause brauchte es nur noch knappe 1500 Meter und wir erreichten nicht nur den höchsten Punkt des Tages, sondern mit der Großen Teufelsmühle auch unsere zweite Stempelstation. Die dortige Felswand ist zwar imponieren, kam aber nicht gegen die Großfamilie an, die kurz nach uns eintraf. So holten wir uns nur den Stempel, machten ein paar Fotos und gingen zügig weiter.




Etappe 3 zum Bärendenkmal
Direkt nach der Teufelsmühle begann der Abstieg ins Tal, der auch gute sechs Kilometer anhalten sollte. Und für die ersten 300 Meter war der Weg auch sehr einladen: schön breit und komplett festgefahren, lief es wie am Schnürchen. Dann jedoch kam der erste Abschnitt, der meiner Frau ein „Ist das dein Ernst?“ entlockte. Immerhin kam uns eine Gruppe Wanderer entgegen, so dass wir sicher waren, richtig zu sein. Für ca. 750 Meter ging es auf einem sehr schmalen Pfad quer durch den verschneiten Wald. Die jungen Bäume bogen sich unter der Schneelast so sehr, dass wir teils gebückt, teils nur kriechend diesen Abschnitt passieren konnten!
Einige Stolpereien später gelangen wir wieder auf offizielle Wege, die sogar als Radwege ausgewiesen sind. Schließlich biegen wir rechts in den Bärweg ab und freuen uns über eine breite, ziemlich ordentlich geräumte Straße. Die Stempelstelle am Bärendenkmal liegt – wie der Name schon sagt – direkt gegenüber dem Denkmal.

Wir erreichen das Denkmal nach ziemlich genau 10 Kilometern und ca. 3 Stunden, 20 Minuten. Mein Schatz lässt sich kurz zur Schnee-Challenge hinreißen und dann geht es auch schon direkt weiter.
Etappe 4 zum Bremer Teich
Es geht kontinuierlich weiter bergab. Der Bärweg führt auf direktem Weg zum Harz-Camp Bremer Teich, dem nächsten (und letzten) Stausee auf unserer Tagestour. Es braucht nicht mal einen Kilometer und schon finden wir die nächste Stempelstelle, direkt am Damm über den See. Ein kleiner Rest von Weihnachtsstimmung lässt uns ein paar Fotos mehr machen, aber dann treibt uns die Kälte weiter.


Etappe 5 zur Köthener Hütte
Um den Rundweg zurück in Richtung Alexisbad zu komplettieren, geht es für weitere 3,5 Kilometer hinunter ins Tal. Der Weg – genauer gesagt Kanonenweg – lief sich sehr gut. Ihn hätten wir auch bis Mädgesprung weiterlaufen können, um mit der Selkebahn zurück zum Hotel zu fahren. Aber nein, wir wollten uns ja noch einen Stempel holen. Und so bogen wir für 1500 Meter erneute rechts in Richtung Krebsbachteich ab und hatten ein kleines Abenteuer vor uns:
- der Weg wurde nur noch von Reh- und Hasenspuren gezeigt, so dass wir direkt auch ein paar Meter auf dem falschen Pfad absolvierten
- ein Wildschweinkadaver markierte den sehr steilen Weg nicht nur optisch, sondern auch mit intensivem Geruch
- direkt am Krebsbachteich war der Weg am Ufer so eng, dass wir mehr als einmal hofften, nicht aufs Eis und ins Wasser zu rutschen
Zurück auf dem offiziellen Krebsbachweg verlief es wieder flott entlang des gleichnamigen Baches. Hier hielt Mutter Natur noch ein paar sehr schöne Eisskulpturen für uns bereit.
Schließlich erreichten wir das Tal direkt an der B 185 am Stellplatz Drahtzug. Laut meinem Plan sollten es von hier nur ca. 700 Meter bis zu Köthener Hütte sein. Vor uns lag aber nur ein steil ansteigender Berg und kein Weg war zu sehen. Bei genauerer Betrachtung fanden wir einen sehr schmalen, steilen und schneebedeckten Pfad, der uns 80 Meter in die Höhe führte. Hier brauchten wir mehr als nur einmal eine Atempause, aber nach insgesamt 15 km und 5:20 Stunden erreichten wir die Stempelstelle an der Köthener Hütte!




Etappe 6 zurück nach Alexisbad
Das langsam schwindende Tageslicht zeigte uns deutlich, dass wir uns sputen sollten. Leider war der direkte Weg an der Stempelstation zu verlockend, so dass wir die geplante Route nicht wahrgenommen hatten. Wir hätten direkt durch die Hütte auf dem Pionierweg weitergehen sollen. So rollten wir jedoch auf dem Klippenweg in Richtung Alexisbad und wunderten uns, dass die Wegweiser deutlich mehr zeigten, als wir geplant hatte. Als wir unseren Fehler bemerkten, war es viel zu spät, um noch einmal umzukehren.
An der Pionierklippe waren wir unserem eigentlichen Weg so nah, dass ich versuchte, hier hinunter zu steigen. Leider konnte man den Untergrund aufgrund des Schnees nicht sehen, was uns einfach viel zu riskant war.
Wir machten einen Umweg von ca. 2000 Metern, die am Ende dieser Tagestour richtig weh taten. Außerdem war der Wechsel zurück auf den Pionierweg mehr als beschwerlich. Ein breites Tal, das zu anderen Jahreszeiten bestimmt idyllisch anzuschauen ist, war mit Schnee und Lauf gefüllt, so dass wir hier kaum einen Fuß vor den anderen bekamen. Endlich wieder auf dem Weg angekommen, ging es für die letzten 800 Meter entspannt entlang der Bundesstraße und der Selke zurück zum Hotel.

Nach insgesamt 6 Stunden 20 Minuten und 18 Kilometern erreichten wir unseren Startpunkt. Ziemlich erschöpft, aber 5 Stempel reicher ging es ins Hotel. Bei Kaffee und Kuchen sowie einem baldigen Abendessen ließen wir den Tag Revue passieren 🙂
Mein Fazit
Insgesamt ist dieser Route für Sammler der Harzer Wandernadel eine tolle Sache. 5 Stempel auf – ursprünglich – 16 Kilometern sind ein lohnenswertes Ziel und in jeder anderen Jahreszeit ist der Weg auch gut zu meistern. Und wer sich einen mehrtägigen Ausflug gönnt, kann gern auch die Köthener Hütte auf den zweiten Tag legen.
Ich freue mich auf eure Erfahrungen, gern hier als Kommentar 😎
Der Tag danach
Am Montag ging es für uns wieder in Richtung Heimat. Eigentlich hatte ich noch einen Spaziergang zur Verlobungsurne geplant, doch leider war der Parkplatz nicht befahrbar bzw. hatten wir Angst, ihn nicht mehr verlassen zu können. Und so fuhren wir direkt nach Harzgerode in die Tourist-Info. Wir hatten mehr als 8 Stempel gesammelt und wollten unsere Abzeichen in Bronze abholen. Eine sehr nette Mitarbeiterin merkte, dass wir bereits 11 Stempel gefunden hatten und uns somit ganz offiziell Wanderprinzessin und Wanderprinz nennen dürfen 😀
Wir schauten uns noch ein wenig die Stadt an. Das Wetter lud aber nicht für mehr als ein paar Schnappschüsse ein.




Gegen Mittag ging es wieder zurück nach Hause. Immer noch etwas erschöpft, aber hoch motiviert für die nächste Wanderung im Harz!







